Artikel zum Modellprogramm "Kulturagenten für kreative Schulen"

Lehrer tanzen am Zeugnistag

„Jahrmarkt der Wünsche“ als Start zum Projekt „Kulturagenten für kreative Schulen“

VON BJÖRN PRÜSSNER (Neue Westfälische vom 11./12.2.12)

Mitte. Wer sich am Zeugnistag etwas wünschen darf, der würde vermutlich am liebsten bessere Noten auf dem Papier bekommen. Nicht so an der Kuhlo-Realschule. Vor der Zeugnisvergabe gab es an dieser einen „Jahrmarkt der Wünsche“, bei dem die Schüler kreative Kulturprojekte anstoßen und selbst ausprobieren konnten.

Zehn Bielefelder Künstler, Musiker und Theaterschauspieler boten ihnen Einblicke in ihre kreativen Arbeitsfelder. Mit Pfeilen warfen die Schüler auf Ballons, deren farbiger Inhalt sich beim Platzen auf einer weißen Leinwand verteilte und so ein kleines Kunstwerk entstehen ließ.
Musiker Patrick von Bortkewitsch und sein DJ-Pult waren gleich von zahlreichen Schülern umringt, die sich einmal als Rapper versuchen wollten. Der Höhepunkt des Vormittags war ein von verkleideten Lehrern eingeübter Tanz auf dem Schulhof (ein sogenannter „Flashmob“), dem die Schüler zuerst zuschauten - und in den sie zum Schluss selbst mit einstiegen.

Den „etwas anderen Zeugnistag“ hatte das Kollegium zusammen mit der Kulturagentin Saskia Zimmerer auf die Beine gestellt. „Wir wollen gemeinsam erreichen, künstlerisch-kulturelle Bildung nachhaltig im Schulalltag zu verankern“, beschreibt sie das Ziel des Modellprogramms, das von der Mercator-Stiftung und der Kulturstiftung des Bundes mit 40.000 Euro gefördert wird.

 

 

Die Kuhlo-Realschule teilt sich das Geld mit der Gesamtschule Stieghorst und der Gertrud-Bäumer-Schule, an denen das Projekt ebenfalls angelaufen ist. Der erste Schritt: die Kinder durften am Zeugnistag Wünsche äußern, welche künstlerischen, kulturellen und kreativen Angebote sie gerne einmal ausprobieren möchten. „Das kann von bildender Kunst bis Musik alles sein, was die Kinder interessiert. Gerne auch etwas völlig Anderes“, sagt Zimmerer.
Anhand der Wunschzettel wollen Lehrer und Kulturagentin dann ein Programm für drei Projekttage im Juli vorbereiten. Über 40 Einzelprojekte sollen es werden, „damit unsere 560 Schüler in kleinen Gruppen auch wirklich kreativ werden können“, sagt Schulleiterin Bettina Fleth. Wichtig sei, dass die Schüler ihr ganz persönliches Interesse an Kultur in den Planungsprozess einbringen könnten.

Alle Schulen arbeiten außerdem gemeinsam an einem Internet-Blog, in dem die Schüler ihre Erfahrungen mit Kulturprojekten, inner- und außerhalb des Schulalltags, mit anderen Schülern teilen können. „Eventuell lässt sich der ja auf alle Schulen Bielefelds ausweiten“, hofft Zimmerer.
Ab dem im Sommer beginnenden Schuljahr bietet die Schule außerdem eine Musikklasse an. Fleth: „Kunst und Kultur können den Unterricht sehr direkt bereichern.“

Fotos wie immer in der Bildergalerie.

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