Informationen rund um unsere Arbeit

Konzept eines Profils "Kulturelle Bildung"

 

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ Paul Auster

 

Ausgangssituation

Die Kuhlo-Realschule in Bielefeld ist eine 3-4-zügige Realschule im Bielefelder Innenstadtbereich. Seit dem Schuljahr 2009/2010 sind wir Ganztagsschule.
Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund liegt bei 60%. Viele unsere Schülerinnen und Schüler kommen aus Familien, die auf staatliche Unterstützung (Hartz IV) angewiesen sind. Der Bildungshintergrund vieler Familien ist als „bildungsfern“ zu bezeichnen.

 

Begründungszusammenhang

Die Schule ist die einzige Institution, die tatsächlich alle Kinder und Jugendlichen mit Angeboten zu kultureller Bildung erreichen kann.
Kulturelle Bildung ist Bildung zur kulturellen Teilnahme an einer Gesellschaft. Sie gehört damit zu den Voraussetzungen für ein geglücktes Leben bezüglich der personalen als auch der gesellschaftlichen Dimension. Kulturelle Bildung ist Bestandteil allgemeiner Bildung.
Künstlerische Aktivität und kulturelle Bildung sind wichtig für die Entwicklung junger Menschen. Sie stärken die Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein, die Kreativität.
Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur weckt das Interesse an fremden Kulturen. Sie hat deshalb auch unter dem Aspekt der interkulturellen Bildung einen wichtigen Stellenwert.
Kulturelle Bildung ist auch wichtig für die Förderung des Nachwuchses, für die Entdeckung junger Talente und für die Ausbildung zukünftiger künstlerisch-kreativer Berufe.

„Dirk und Brigitte (Anm. die Choreografen) haben das nach ihrer Choreografie so einstudiert, dass jeder wichtig ist, dass keine fehlen darf. Und nicht, dass einer wichtig ist oder der eine wichtiger als der andere ist. Sie haben das so gemacht, das jeder eine Hauptrolle spielt und jeder der Star des Abends ist, nicht dass einer eine Nebenrolle hat: „ du kannst ruhig fehlen“. Die haben es so gemacht, dass jeder im Mittelpunkt steht.“

„Vor der Premiere, als der Vorhang aufging, hatte man Herzklopfen und dachte, dass man hoffentlich keinen Fehler macht. Als es vorbei war und der Erfolg kam, stand man auf der Bühne und merkte, dass man immer größer wurde. Alle haben dann geklatscht und das war einfach nur „wow“.“

„Als ich das erste Mal auf dieser Bühne stand, hatte ich erst mal einen richtigen Nervenkitzel und Lampenfieber. Am liebsten wäre ich einfach nur rausgerannt. Aber als es dann fertig war, habe ich nur gedacht, dass ich mich schon auf die nächste Aufführung freue. Als dann alles zu Ende war mit dem ganzen Projekt, hatte ich mich beim Zeitplan schon so dran gewöhnt, dass es eigentlich die ganze Zeit machen könnte. Ja, man ist einfach süchtig danach geworden, auf dieser Bühne zu stehen. Was ich daraus gelernt habe ist, dass ich einerseits ein bisschen offener geworden bin und an viele Sachen flexibel rangehe.“

(aus den Schülerinterviews zum ZEITSPRUNG)

 

Ziele

Unser Ziel ist, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – die Chance erhalten sollen, im Laufe ihrer Schulzeit mit möglichst vielfältigen künstlerischen Aktivitäten in Berührung zu kommen, um ihre Fähigkeiten kennen zu lernen und weiter entwickeln zu können.

 

Inhalte

Kulturelle Bildung findet in allen Fächern statt.

Der Fächerkanon aus Musik, Kunst, Textilem Gestalten, Deutsch bildet ein erstes Angebot für Schülerinnen und Schüler. Zahlreiche Aktivitäten erwachsen aus dem regulären Unterricht und werden dort vor- und nachbereitet:

In den Jahrgängen 5+6 (des Ganztags) wählen die Schülerinnen und Schüler aus einer Vielzahl musisch-künstlerischer Angebote. (Chor, Musical, English Drama)
Diese Angebote werden durch weitere jahrgangsübergreifende Angebote ergänzt (Theater, Chor, Gitarren-AG, Trommel-AG, Instrumental-AG).
Im neuen Ganztagsbereich gibt es eine große Schülerbibliothek, die von einer Schüler-AG betreut wird.
Für ältere Schülerinnen und Schüler gibt es eine Kunst-AG, die sich um die Gestaltung des Schulgebäudes kümmert. Hierzu stehen großflächige Leinwandflächen zur Verfügung, die immer wieder umgestaltet werden können.

 

Kooperationspartner

Besonders  die Ganztagsschule ermöglicht durch ihr größeres Zeitfenster zahlreiche Möglichkeit der Kooperation mit außerschulischen Partnern.

Bisherige Kooperationen

Die FALKEN
Die Mitarbeiter der Falken organisieren die Übermittagbetreuung (Programm „Geld statt Stelle) und bieten am Dienstagnachmittag AG-Angebote für die Schülerinnen und Schüler des Ganztags (z.B. Hipp-Hop-AG).

Kultur und Schule
In Zusammenarbeit mit der Bielefelder Künstlerin Jutta Börger wurden folgende Projekte durchgeführt.

Schuljahr 2009/2010    Beruf-Berufung: Eine kunstpädagogische Auseinandersetzung (Jg.9)
Schuljahr 2010/2011    „Brücken bauen“ (Jg.6)

Theater Bielefelder
Seit dem Schuljahr 2009/2010 existiert ein Schulpartnerschaftsvertrag mit dem Theater Bielefeld. Den Partnerschulen werden zahlreiche Möglichkeiten eröffnet:

  • Workshops für Lehrer zur Vorbereitung von Theaterbesuchen

  • günstige Eintrittskonditionen für die Schülerinnen und Schüler

  • Besuche der Theaterpädagogen in der Schule / Beratung bei eigenen Aufführungen

  • Workshops für Theaterscouts (Schülerinnen und Schüler)

Die Schule verpflichtet sich mit mindestens 10% der Gesamtschülerzahl Vorstellungen des Theaters zu besuchen.
Die Schule benennt „Theaterscouts“ (Kontaktschüler), die in der Schule über das Geschehen im Theater informieren und Theaterbesuche organisieren.
Im Schuljahr 2009/2010 nahmen Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Klassen am generationenübergreifenden Tanzprojekt „Zeitsprung“ teil. Es fanden insgesamt 6 Aufführungen auf der großen Bühne im Stadttheater statt (insgesamt über 80 Teilnehmer verschiedener gesellschaftlicher Gruppen).
Im Schuljahr 2010/2011 wird eine 9. Klasse an einem Kooperationsprojekt im Bereich des Musiktheaters teilnehmen. Es geht darum, den Probenprozess einer Oper von Beginn an bis zur Premiere zu begleiten und so hautnah in Berührung mit Sängern, Dirigent, Orchester, Regisseur und dem Theaterbetrieb als solchem kommt. Ziel dieses Projekts ist es, bei Schülerinnen und Schülern, die vielleicht von sich aus keine Oper besuchen würden, Begeisterung für das Musiktheater zu wecken. Die gesamte Kooperation wird, wenn möglich, vom WDR dokumentiert

Kulturscouts OWL
Das Modellprojekt „Kultur Scouts OWL“ hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche, die sonst eher weniger mit Kunst und Kultur in Berührung kommen zu erreichen und bietet kulturelle Angebote für Schulklassen der Sek I. Es ermöglicht einer Klasse über 2 Jahre vielfältige kulturelle Angebote der Region kostenfrei zu nutzen. Die Kosten werden in Bielefeld von der Goldbeck-Stiftung getragen.
Wir nehmen mit einer 6. Klasse daran teil.

 

Öffentlichkeitsarbeit

Durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern findet eine Öffnung der Schule statt. Die Schülerinnen und Schüler verändern ihren Blick und auch der Blick von außen auf die Schule wird ein anderer.
Besonders unser Projekt mit dem Bielefelder Theater wurde in der örtlichen Presse ausführlich beachtet. Die Theaterfreunde Bielefeld haben der Schule einen Sonderpreis von 500€ gestiftet.
Die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung“ des Ministeriums hat die Akteure des Tanzprojektes interviewt und wird in einer großen Veröffentlichung über das Projekt berichten.

„In bunten Abendkleidern und dezenten Anzügen machen die Schülerinnen und Schüler der Kuhlo-Realschule eine gute Figur. Zu John Adams´ “The Chairman Dances“ zeigen sie kraftvolle Formationen und sanfte Duette. Die jungen Männer beweisen viel Feingefühl im Umgang mit ihren Partnerinnen.“
Westfalenblatt 5.6.2010

 

Zukünftige Planungen

  • Weiterentwicklung des Konzepts der kulturellen Bildung für alle

  • Erweiterung der Berufswahlorientierung auf Berufe im künstlerisch-kreativen Bereich

  • Stärkung der musisch-künstlerischen Bildung durch das Wahlpflichtangebot Kunst. (ab Klasse 7)

  • Talentwettbewerbe

  • Regelmäßige Schultheateraufführungen (z.B. auch für Grundschulklassen)

  • Literaturwochen

„Wenn es gelingen könnte, ein Bewusstsein an deutschen Schulen zu schaffen, das ästhetische Lernfeld nicht als notwendiges Übel und nicht allein als schöne Garnierung zu sehen, wäre dies ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung, auch bezogen auf den konzeptionellen Wandel, der sich im Aufbau von Ganztagsschulen in den nächsten Jahren dringend vollziehen muss.“
Christian Kammler. Kulturelle Praxis in der Schule. Von der Idee zum Profil. In: SchulVerwaltung 9/2010, S. 231.

 

Link: Zeitungsartikel zum Tanzprojekt "Zeitsprung"

Zusätzliche Informationen